Das Video zum Feldaufenthalt II

Fragment 7 - backyard shed vision (*NEW SOUND*)

Part7 integrates yutube into the concept of installation. You Tube as/is a Collective-Memory-Platform.Sound YouTubeSoundWarp: Night Walk (Passeio Noturno). Prof. m.Stereo.[ zur größeren Version/alle Teile ]
"War, children, is just a shot away."



Sound unter teilweiser Verwendung von Looperman samples

[ ATOMIC KITCHEN ]
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Feldaufenthalt III - Adjusting Hypermetropolis (Im Kronleuchtersaal)



Am 14.09.2008, dem Tag des offenen Denkmals, hat die Redaktion ( Christine S. Thon, Katharina Urbaniak, Lars H. Beuse ) eine nicht-öffentliche Installation und Performance im Kronleuchtersaal der Kölner Kanalisation durchgeführt. Wir danken den Stadtentwässerungsbetrieben Köln für die freundliche Unterstützung im Rahmen dieser Installation/Performance.

Dieser Feldaufenthalt schließt die Trilogie der Feldaufenthalte.


Feldaufenthalt III - Adjusting Hypermetropolis (Im Kronleuchtersaal)

Sinnlichkeit, Virtualität und Erinnerung


Die Hier gezeigten Fotos sind der 2. Abschnitt dieser Aktion:



Die Kanalisation als Ver- und Entsorgungsbauwerk eines Stadtorganismus. "Stadt" erkennt man nach dem Prozess der strukturellen Selbstauflösung, physisch und organisch nur noch an den Strukturen, die ihrer Ver- und Entsorgung dienen.

"Die Stadt, die Einheit des Ortes ist, ohne Einheit der Zeit zu sein, verschwindet also in der Heterogenität des Zeitregimes der modernsten Technologien*. Die Form der Stadt kann nicht mehr an einer bestimmten Demarkationslinie, die das hier vom dort trennt, abgelesen werden, sie wird vielmehr durch die Programmierung von Zeitplänen bestimmt. Der Zugang erfolgt auch nicht mehr über einen Raum, der den Übertritt regelt, sondern mittels eines audiovisuellen Protokolls, in dem das Zuschauen und die Einschaltquoten den Ersatz bieten für den öffentlichen Empfang und das gesellschaftliche Ereignis.(...)In Medien wie Satelliten, TV,Glasfaserkabel,Telematik usw., die eine unmittelbare Kommunikation ermöglichen, ersetzt die Ankunft die Abfahrt (...) Paul Virillio, zitiert nach: Raumtheorie, Hrsg. Jörg Dünne und Stephan Günzel, Suhrkamp Taschenbuch 1800,Frankfurt/Main, 2006"

Die Kanalisation ist der letzte authentische PublicSpace der Hypermetropolen.

Was die Kanalisation von anderen Versorgungsleitungen unterscheidet, ist ihre exorbitante sinnliche Wucht. Sie dient als Transportkanal für biologische Masse, ist Herberge für Stoffwechselprozesse. In jeder Stadt ist die Stadtentwässerung und damit die Kanalisation und Wasseraufbereitung ein existentieller Kreislauf. Dieser Kreislauf dient nicht nur der Entsorgung von Abwässern und der Versorgung mit Trinkwasser, sondern auch dem Schutz vor Überflutungen und Epedemien. In einer Stadt wie Köln, als die am meisten von Hochwasser betroffene Großstadt Europas, gewinnt eine einwandfrei funktionierende Kanalisation nochmals an Bedeutung.

Bereits zur Zeit der Römer verfügte Köln über ein überaus gut entwickeltes Entwässerungsnetz. Das am besten erhaltene Monument römischer Kanalisation ist der Hauptsammler in der Budengasse. Im Mittelalter und in der frühen Neuzeit gerieten die Errungenschaften der römischen Kanalisationsbauten jedoch in Vergessenheit und erst wieder gegen Ende des 19. Jahrhunderts wurde damit begonnen, ein übergreifendes Konzept für eine moderne Stadtentwässerung im preußischen Köln zu entwickeln. Im Zuge der Planung der Kölner Neustadt ab 1881 entwickelte der Stadtbaumeister Josef Stübben in Zusammenarbeit mit dem ausführenden Ingenieur und späteren geheimen Baurat und Stadtbaurat Carl Steuernagel ein Konzept für ein Abwassersystem für Alt- und Neustadt. Stübbens Konzept sah den Bau eines Regenentlastungsbauwerks vor, in dem der Hochsammler aus Rheinufernähe und der Ringkanal zur Entwässerung der Altstadt zusammengeführt werden sollten. Zu Inbetriebnahme der Kanalisation kündigte Kaiser Wilhelm II seinen Besuch an. Zu seinen Ehren wurden in dem Regentlastungsbauwerk zwei Kronleuchter angebracht. Auch wenn Kaiser Wilhelm seinen Besuch absagte, die eigens für ihn aufgehängten Leuchter wurden Namensgeber für das heute als Kronleuchtersaal bezeichnete Regenentlastungsbauwerk in der Kölner Neustadt. Der Kronleuchtersaal mit seiner befremdend anmutenden Erscheinung steht seit dem 24. Juni 2004 unter Denkmalschutz.

Der Kronleuchtersaal als industrielles Bauwerk, seine Geschichte und seine Funktion bilden im Feldaufenthalt III den architektonischen, historischen,gegenwärtigen und virtuellen Raum der künstlerischen Arbeit – der Kronleuchtersaal als ein Raum der aufgrund seiner Erscheinung und Geschichte beinahe selbst in das Reich der Imagination gehört.

Ein Raum der nur existiert, weil man auf die Ankunft eines Kaisers wartete, dieser kam allerdings niemals an. Der Raum scheint in dieser Erwartung einer Ankunft erstarrt zu sein. Im Kanal aber fließen seit mehr als einhundert Jahren die Abwässer der Stadt, die bei besonders starken Niederschlägen den gesamten Raum überfluten, nur um ihn danach wieder in seine starre Erwartung zu versetzen.

Bauwerke, in denen eine derartige Raumsituation so gekonnt und mit der nötigen saftigen Ironie ausgestattet auf den Punkt gebracht werden konnten wie im Kölner Kronleuchtersaaln gibt es wenige. Und so ist der Kronleuchtersaal auf seine Art die etwas andere „Gute Stube“ der Stadt, der etwas andere Wiedergänger des Gürzenich, der ebenso wie dieser die Besonderheiten der alten Stadt am Rhein sehr deutlich unterstreicht.

Diesem Raum-Eindruck begegneten die KünstlerInnen mit einer unscharfen, befremdlich grotesken Installation und Performance, die der Frage nach dem Verhältnis von Sinnlichkeit, Virtualität und Erinnerung nachgeht. Rezipienten waren in der Kanalisation nicht mehr persönlich sondern nur noch in Form ihrer Exkremente anwesend. Sie strömten an der Installation vorbei, in ihrer demokratischsten und zugleich in einer intimen, aber doch anonymisierten Form. Es entstand ein seltsam verformter, indifferenter Raum einer unwillkürlichen Rezeption, der nur für die KünstlerInnen zugänglich war und zugleich Verborgenes der Rezipienten für diese öffentlich machte.


Feldaufenthalt II
Zum besseren Verständnis der Gangart dieser Serie von künstlerichen Feldaufenthalten muss an dieser Stelle sowohl auf Feldaufenthalt I sowie auf Feldaufenthalt II verwiesen werden: Beim „Feldaufenthalt im intimen Kosmos“ (Feldaufenthalt I) wurde eine Privatwohnung zum Feld erklärt. Die Wohnungsinhaber waren Rezipienten und Wachhabene zugleich. Sie reglementierten das künstlerisch-forschende und durchaus forsche Vorgehen zum Schutz der eigenen Privatsphäre.Das gegenseitige Erforschen, Analysieren und Kontrollieren bildete die Basis der Überschneidungen zwischen Kunst- und Wissenskreisläufen und damit der dargebotenen Installation. Der Rezipient erlebte ein permanentes Wechselspiel zwischen Realität und Fiktion. Er war gezwungen, seinen Blick zu schärfen, um bei allem Wahrgenommenen noch unterscheiden zu können: "Was ist hier Kunst? Was ist hier Wissenschaft?" In diesem Kosmos der behaupteten Wissenschaft und der tatsächlichen Performance, entstand ein unscharfes Rauschen.

Dann, im Rahmen des zweiten Feldaufenthaltes, der „Konjunktivgrabung“, im „toten“ Stadtraum „Marienfriedhof Hildesheim“, haben die KünstlerInnen einen Rückblick auf Feldaufenthalt I und einen Ausblick auf Feldaufenthalt III gewährt. Der Rezipient hat via Abflussrohr, auf einen Videoloop aus der vorangegangenen Installation geblickt: Die Ankunft ersetzt die Abfahrt. Das Virtuelle kennt keine Zeit. Es fügt sich willkürlich in beliebige Zeitstrukturen, es ist immer und überall, es ist digital. Rückblenden und Vorausschauen dienen dem Verweis auf die Imagination, auf die zu keinem Zeitpunkt behauptete Wahrheit der Installation. Es ergibt sich ein unmittelbares, ein indifferentes, ein beinahe getarntes künstlerisches Ereignis.



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Und auch wie schon in den vorausgegangenen Installationen wird auch bei dieser Installation Film, als eine der industriellen Urformen virtueller Realität, Gegenstand der Installation. So dürfte es nur Wenigen gelingen, angesichts der Kulisse des Kronleuchtersaals nicht an den dritten Mann zu denken.
Ein weiteres, verborgeneres Filmzitat lässt sich an der Rolle des Hauptdarstellers der Installation ausmachen, bei dem es sich um einen anonym bleibenden, aber tatsächlichen Experten für die Begutachtung von Industrieanlagen handelt. Atom Egoyans „The Adjuster“ entfaltet einen rätselhaft verflochtenen Kosmos, einen Film im Film der sich aus einer ausnahmslos unbeantworteten Sammlung von Fragen dem Leben der Menschen nähert. Ein rätselhafter Film, so rätselhaft und nonlinear und gleichzeitig auf vielen subtilen Ebenen verwoben wie die drei Feldaufenthalte. Schließlich ist der Kronleuchtersaal selbst ein "Adjuster", ein Regelungbauwerk zur Verteilung des auf die Stadt niedergehenden Regens. (Ansetzen Assoziatinskette Regen/Stadt/Abfluss/Regen/Stadt/Abfluss/Regen/ Stadt/Abfluss/Regen/Stadt/Abfluss/Wilhelm II)

Fragend sitzt der anonyme „Risiko-Folgen-Abschätzer“ im Kronleuchtersaal der Kölner Kanalisation und blickt auf ein Notebook. Aus einem schwarz-glänzenden Plastikzelt führt in vielen Windungen eine schlauchartige Apparatur heraus. Diese saugt scheinbar Bestandteile des Raumes und der vorbei treibenden Rezipientenreste an, um sie einer genaueren Analyse zu unterziehen. Zu welchen Analyseergebnissen mag der Hauptdarsteller der Installation gelangen, was sieht er auf seinem Notebook? Der gesamte Aufbau der Installation erschließt sich wie auch bei den vorherigen Feldaufenthalten erst auf den zweiten Blick. Wieder erinnert der Aufbau an reale wissenschaftlich-technische Arbeiten. Erst bei genauerem Hinsehen erschließt sich die Unmöglichkeit des Aufbaus: Rohre sind nicht verbunden, Schläuche enden plötzlich, der Laptop befindet sich im Ruhezustand, Warnkegel und Schilder sind willkürlich aufgestellt. Der Saal selbst mit seinem aus heutiger Sicht grotestken Kronleuchter tut ein Übriges dazu, die Situation von einer Behauptung in eine Frage kippen zu lassen. Die real-rationalen Instrumente wie der Gasmesser am Geländer oder der Eimer der Stadtentwässerungsbetriebe Köln mit Desinfektionstüchern werden Teil der Installation Dabei verweist der Gasmesser auf einen diesem Orte innewohnenden sehr besonderen Aspekt: den des Geruches, den der Faulgase, die die Frustrationstoleranz der Beteiligten jäh auf die Probe gestellt haben.

Während des etwa dreistündigen Feldaufenthaltes war der Kronleuchtersaal für die Öffentlichkeit nicht zugänglich. Die künstlerische Arbeit als Konspiration als geheimes, verborgenes Ereignis. Der spätere Rezipient kann nur in Form der Fotos und der aufgezeichneten Tonspur am Geschehenen teilnehmen, allerdings spielt der Rezipient eine entscheidende Rolle, denn schließlich strömt der Genpool der halben Stadt vorbei. Die KünstlerInnen agieren als Voraustrupp der Sinnlichkeit, sind geheimnisvolle, getarnte, analysierende Lebensformen im Untergrund der Stadt. (Wir konnten sogar Gesprächen lauschen, die aus Abflussrohren kamen.;))

Kunst ist hier also konsequent konspirativ, verschlossen, verborgen. Verborgen im Kronleuchtersaal, mit Betretungsverbot für Uneingeweihte, findet die Kunst zu sich selbst, und kann als komplexes, aesthetisches System existieren. Natürlich ist auch dies letztlich heuchlerisch, denn am Ende dreht sich eben doch alles erneut um den Rezipienten, denn im Zentrum steht die Form der Anwesenheit des Rezipienten, und schließlich wird die Arbeit eben doch, wenn auch in einer entsinnlichten, virtuellen Form präsentiert.

Hier schließt sich der Kreis zur Virtualisierung, die Visuelle und akustische Konserve entreisst dem Rezipienten die wesentliche Information, die er doch selbst produziert, abspaltet, die Ergebnis seines Stoffwechsels ist. Die Bilder und der Ton alleine werden übermächtig gemeinsam mit der exzentrischen Erscheinung des Raumes, wirkmächtig in der Erinnerungstafel und dem Kronleuchter. Was ohne den Geruch bleibt, ist ein völlig anderer beinahe edler, herrschaftlicher Raumeindruck - ein groteskes Spiel mit den Koordinaten Öffentlich/Nicht-Öffentlich Real/Virtuell Anwesend/NichtAnwesend. Es bleibt am Ende die vollkommene Verformung der Wahrnehmung der Installation, vor allem aber auf der Ebene der Erinnerung an die Installation. Die rein Fotografisch/Akustische Erlebbarkeit der Installation raubt dem Rezipienten die Möglichkeit, den Kronleuchtersaal als einen Ort der Sinnlichkeit zu erleben, als einen Ort, der Sinnlichkeit nicht nur andeutet, nachstellt und kopiert, sondern sie in voller roher Wucht verkörpert. Das besondere ist Roh, denn im Falle von z.B. künstlichen Düften wie in Parfums, haben wir hier, die Urangst der Moderne, die Konfrontation mit ihren rohen, ungefilterten und archaischen "Überbleibseln" einer ansonsten durchgestylten Oberfläche. Marcel Proust:

„Aber wenn von einer lang zurückliegenden Vergangenheit nichts mehr übrig ist, nach dem Tode der lebendigen Wesen, nach der Zerstörung der Dinge, verweilen ganz alleine, viel fragiler, aber lebenskräftiger, immaterieller, ausdauernder, treuer, der Geruch und der Geschmack noch lange Zeit, wie Seelen, entsinnen sich, warten, hoffen, auf den Ruinen von allem übrigen, und tragen, ohne zu wanken, auf ihren kaum wahrnehmbaren Papillen den ungeheuren Bau der Erinnerung.“ (Marcel Proust, Combray, Oeverture zu "Auf der Suche nach der verlorenen Zeit" S. 72, Übersetzung von Michael Kleeberg, 2002)

Was aber bleibt von einer virtuellen, entsinnlichten Welt einst in unserer Erinnerung? Der Duft von "Minisoft?" Wie aber wird von dieser Welt berichten werden können, wenn unsere Sinne beschränkt werden auf das Visuelle, auf das Akustische? Wie verformen sich unsere Biographien?

Die Medien sowie einzelne Teile der Installation werden nun in eine hybride real/virtuelle Form überführt und erneut ausgestellt. Dabei wird dann auch der im Rahmen der nicht-öffentlichen Aktion erstellte Soundtrack verwendet. stay.tuned stay.tuned

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