Das Video zum Feldaufenthalt II

Fragment 7 - backyard shed vision (*NEW SOUND*)

Part7 integrates yutube into the concept of installation. You Tube as/is a Collective-Memory-Platform.Sound YouTubeSoundWarp: Night Walk (Passeio Noturno). Prof. m.Stereo.[ zur größeren Version/alle Teile ]
"War, children, is just a shot away."



Sound unter teilweiser Verwendung von Looperman samples

[ ATOMIC KITCHEN ]
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Seitdem die Erde Rund ist

 

                        Clemens Schittko: "Seitdem die Erde rund ist":

Seitdem die Erde rund ist und keine Mitte mehr hat,

die noch von irgendeiner Grenze vorgegeben wird,

kann es dir passieren, dass du dich, ohne es zu merken,

längst schon rechts von allem und jedem

draußen im Osten befindest,

je mehr du dich nach links, immer der Sonne nach,

Richtung Westen bewegst.

Das Leben kommt nicht im Imperativ,

der Tod nicht im Konjunktiv zu sich.

Wie kann es noch Knoten im Gehirn geben,

wenn das Gehirn für sich genommen

bereits ein einziger Knoten ist?

Kaufmännisch betrachtet ist der Funkspruch “Erde an Universum”

auch nichts anderes als ein Buchungssatz,

mit dem wir kontieren,

dass das Gegenwärtige sein aushöhlendes Element

nicht aus dem Vergangenen bezieht.

Erst mittendrin ist man nicht mehr dabei.

Deine Hand mit meinem Körper berühren;

Worte wie Wind; dass das, was wir wahrnehmen,

sich nie dort ereignet, wo wir es wahrnehmen;

und Bilder sich aus dem weißen Rauschen der Sprache lösen –

als Licht und Pause, als Musik –

Statistiken / gelöscht auf dem Papier,

der Archäologie Protokolle in der Bürokratie.

Vom Krieg erzählen die Alten wie die Jungen vom Sex.

Man kann noch sagen,

dass das, was sich sagen lässt,

schon gesagt worden ist.

Wie wir aber dabei lieben, werden wir stumm:

für den Tod, der nicht tötet, wo er lebt.

Und ginge es demokratisch zu,

müsste man Wahlbenachrichtigungen an die Adressen

der uns in der Überzahl befindlichen Toten schicken –

an die Friedhöfe und Schlachtfelder dieser Welt;

entschieden wäre nichts...

Es gibt keine Freiheit, nur Befreiung;

kein Tun-und-lassen-was-man-will,

nur ein Nicht-tun-müssen-was-man-nicht-will.

Wer beim Arzt nur noch ablegt,

macht sich frei bei seinen Bekannten,

den Beichtvätern von einst.

In den Fernsehdokumentationen

geben die Hintergrundsprecher Gott und Nicht-Gott.

Nie war es leichter, berühmt zu werden,

solange man nichts / außer seinem Ich / zur Schau stellt.

Der Organismus – ein Orgasmus...

Dieser Zwang zur Nonkonformität:

Wie das geschichtlose Vergangene

provoziert jetzt das Betuliche

in der Beschreibung des eigenen Gartens.

Wir hören auf, wo die Welt beginnt.

Und in den Städten riecht der Frühling nach Urin.

Nur ein Wort ist Liebe, nur eine Silbe der Tod.

Bis hierhin sind diejenigen gelangt,

die über der Sprache verrückt geworden sein müssen.

Warum für eine Literatur sterben,

die von sich aus nicht bereit ist,

für irgendjemanden zu sterben,

und von einem Betrieb künstlich am Leben gehalten wird,

obwohl der Unterschied zwischen Angebot und Nachfrage

nirgends größer ist als hier

und sämtliche Ver-Käufer die Käufer sind?

Bist du denn gemeint, wenn von dir als Kunde oder Gast,

Patient oder Insasse die Rede ist?

Wären wir nicht dumm, wären wir nicht hier.

Da die Gedichte nicht durch die Geliebte gehen,

geht die Geliebte durch die Gedichte.

Ich bin so müde, dass mir die Kraft fehlt einzuschlafen.

Euch kann ich es ja sagen; wir werden uns nie begegnen.

Zur Welt kommt allein die Welt nicht.

Das Problem der Lösung:

Entweder bist du Teil der Verfremdung

oder Teil der Entfremdung.

Solange ich Bücher kaufen kann,

muss ich sie (ja) nicht lesen.

Überhaupt: ein Buch lesen...; ich lese Text.

Wer die Uhren hat, hat nicht die Zeit.

Indem ich einräume, dass ich mich wiederhole,

wiederhole ich mich nicht.

Am Ende kommen Terroristen

wie der Selbstmordattentäter Gott,

der nicht tot wäre, hätte er nicht beides:

Brüste UND Penis.

Ich weiß nicht, was passieren muss,

bis endlich etwas passiert.

Die Namen der Autoren,

die ich gelesen oder nicht gelesen habe,

muss ich jedenfalls hier nicht erwähnen.

Wenn du die Hand aus deinem Gesicht nimmst,

kannst du deinen Kopf in beide Hände legen.

So in die Nacht / sein Licht bluten,

so Schatten der Erde / am Himmel stillen.

Ein gegen den Leser geschriebener

oder gegen den Autor gelesener Text –

oder eine Literatur, die zum Tabu wird,

wo sie selbst kein Tabu mehr benennt.

Das Seiende ist das Schweigende,

ein Alibi unserer Libido.

Du brauchst dich nichts und niemandem zu verschließen;

du wirst ausgeschlossen.

(Was soll sein?)

Eine Anspielung verweist...(so oder so).

Bisher hat noch jede Hierarchie

Demokratie zu verhindern “gewusst”.

Wem es nicht gelingt, Macht auszuüben,

indem er sich selbst erhöht,

erniedrigt andere stattdessen.

Ich muss so gut sein, dass ich es

auf den Dorotheenstädtischen Friedhof schaffe.

Über Dritte spreche ich nicht und will ich nichts hören,

selbst wenn sie noch leben.

Den eigenen Egoismus auf eine zweite Person (Singular) ausdehnen

und es wieder Liebe nennen...

Als sei die Entbindung,

gerichtet gegen die Arbeit des Todes und des Sexes,

vergleichbar mit der Notdurft;

als seien die WC´s nur deshalb die hellsten Orte im Universum,

damit die Exkremente,

an deren Geruch wir uns berauschen,

von Nahrung zuverlässig unterschieden werden können.

Die Welt wird uns tragen,

die Erde, der in uns nicht zu helfen war;

wo immer der Himmel küsste, traf er auf Haut;

gekrümmtes Haar – den ausgefallenen Federn eine Schlinge.

Wie fängt man sich Wolken ein?

Es wird hinterfragt,

um das Hinterfragen an sich / nicht zu hinterfragen.

Abgewandert in die Prosa ist das lyrische Ich.

Vorbei an aufgeschlagenen Speisekarten,

die aussehen wie Gedichtbände.

Und abwesend sind diejenigen, die es betrifft

und gegen die wir schreiben,

solange uns ihre Abwesenheit nichts anhaben kann.

Erinnere dich daran, dass du vergessen wolltest.

Erinnere dich oder vergiss es,

wie du dich selbst nie vergessen würdest.

Grenzen werden nicht überschritten;

sie werden verschoben.

Das Pflaster, von der Haut gezogen,

reißt eine verheilte Wunde auf.

Ein Rieselfeld das Gehirn,

wenn wie ein Unwetter

die Bilder sich im Beifall entladen

und das Stilleben unserer Körper schalten,

das weder die Sprache selbst ist

noch eine Zeit, die so verbracht wird,

wie Leichen verbracht werden

oder G R A S formatiert,

wenn es rückwärtsgelesen den SARG abgibt.

Ich bin ein Zitat, wo das Zitat bereits Zitat ist,

ein Schweigen – viel redend / nichts sagend –

der Tunnel am Ende des Lichts.

Um die Menschen von der Straße zu bekommen,

wurde das Auto erfunden;

um sie von den Gehwegen zu bekommen, das Fahrrad –

so schneidend das Licht...

Ihr könnt ja meinetwegen alle ein Anderer sein;

ich FÜR MEINEN TEIL bin ICH und damit basta!

Was alles bewegt werden will...

Und kreisen wir in Wahrheit nicht

ausschließlich um uns selbst,

wenn wir glauben, die Gestirne vor uns

auf- und untergehen zu sehen,

bis sich der Kopf schwindelnd auf die Erde legt

und ein Inneres dem Pochen nach vernimmt,

ein Aushöhlendes, das die Träume gibt,

die den Schlaf nehmen?

Was alles mitschwingt...,

sich im Experiment erschöpft

und immer noch nicht mitschwingen will.

Ich liebe es, weil Es mich nicht liebt

und weil die Länge dieses Textes

nur damit zu entschudigen ist,

dass für einen kürzeren Text die Zeit fehlte.

Vom Menschen geht man dann aus,

wenn man auf ihn nicht mehr zurückkommen muss.

Ausgerechnet nachts,

wenn der Hormonspiegel am niedrigsten ist

und sich organisch so gut wie nichts ereignet,

fährt die Sexindustrie ihre medialen Geschütze hoch,

mit denen uns (erst) der Krieg erklärt wird.

Auf der Straße ist es sauberer als in meinem Zimmer,

wo zwischen Dokumenten der Bürokratie

und Manuskripten der Poesie

ich jetzt eingekeilt liege.

So ist doch nur der Fall die Welt,

die eine Falle ist und mir

in ihrer augenblicklichen Leichtigkeit

nicht die Mittel zur Verfügung stellt,

mit denen ich mich umbringen könnte.

Im Kopf, im Kopf sitzt das Herz /

von der Liebe erschlagen.

Abkekoppelt von dem Original in Rot,

das nur der Tod sein kann

(reimt sich doch sonst keine Farbe auf ihn),

ist das Leben die Kopie einer Kopie.

Wenn du sterben würdest,

würde ich dich begraben lassen;

wenn du sterben würdest,

um dem Leben einen sechsten Sinn zu geben...

Die verschiedenen Gerüche am Körper

und die verschiedenen Gerüchte im Geist.

Macht so ein einstürzender Neubau auch dann ein Geräusch,

wenn keiner (beim Einstürzen) zuhört?

Eine Mischung aus Schwarz-Rot-Gold

ergibt übrigens einen Braunton.

Gesäße wie Gesichter, Hauptsache Erkenntnis,

deren siebenmilliardenster Teil in jedem von uns

eine Art Gott annähernd aufgelöst hat.

In all seiner Bedürftigkeit erfahren wir im Liegen

das Gedicht als Heimat...,

das System Liebe ersetzt durch Kommunikation.

Und was, wenn ich nicht auf Menschen,

sondern auf Elemente wie Wasser

oder Luft allergisch reagierte?

Und wäre es Erde,

könntet ihr noch nicht einmal meine Asche begraben,

die wie die Decke des Himmels euer Feuer erstickt.

Es wird dir wehgetan, ja;

aber zum Wehtun bedarf es vor allem auch der Person,

die sich von jemand anderem wehtun lässt,

und nicht allein der Person,

die jemand anderem wehtut.

DEN UMSTÄNDEN ENTSPRECHEND

geht es vermutlich noch den Ärmsten

und Notleidensten dieser Welt gut.

Die Liebe ist es, die nicht liebt,

und das Nichts, das nicht ist.

Halten wir doch einmal fest:

Der Unterschied zwischen einem Durchschnittsmenschen

und einem Intellektuellen

dürfte größer sein

als der Unterschied zwischen einem Durchschnittsmenschen

und jedem anderen Tier.

Über sich selbst weiß man immer am wenigsten.

Du bist der Beste und die Bestie.


 

Geboren 1978 in Berlin/DDR. Gebäudereiniger und Verlagskaufmann. Arbeitete als Fensterputzer. Abgebrochenes Studium der Literatur-, Musikwissenschaft und Philosophie. Zuletzt Hilfsbuchhalter, Transportarbeiter und Lektor in einem kulturwissenschaftlichen Verlag. Seit 2002 Veröffentlichungen in Zeitschriften (Ostragehege, Zeichen & Wunder, Dichtungsring, Wiecker Bote, lauter niemand u.a.). Lebt in Berlin(-Friedrichshain).

 

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